
RDA-Internationaler Bustouristik Verband e.V.
(29.März 2007)
Dass das Verkehrsmittel Bus grundsätzlich sehr umweltfreundlich ist, war schon lange bekannt. Studien im Auftrag der DB und des Umweltbundesamtes hatten dies schon konstatiert. Diese Studien betrachteten aber den Bus ausschließlich als Teil des ÖPNV, nicht als Reiseverkehrsmittel. Dies obwohl die Bustouristik einen Markanteil bei den Verkehrsmittel für Urlaubsreisen ab fünf Tagen Dauer von rund 10 Prozent hat. Sie liegt damit noch vor der Bahn mit 5% Marktanteil. Bei ca. 9 Millionen Busurlaubsreisen über fünf Tagen Dauer, 16 Millionen Kurzreisen mit dem Bus und mehr als 120 Mio. Bus-Reisenden (im Jahr 2006) stellt die Bustouristik ein bedeutenden touristisches Marktsegment dar. Die Frage wie umweltfreundlich ist der Reisebus bzw. Bustourismus ist deshalb nicht nur für die Branche, sondern auch verkehrs- und umweltpolitisch von großem Interesse.
Um diese Lücke zu schließen, wurde vom RDA 2003 bei dem renommierten Heidelberger Ifeu-Institut eine Untersuchung beauftragt. Die Studie „Vergleichende Umweltbilanz des Reisebusses - Analyse der Umwelteinwirkungen verschiedener Verkehrsmittel im Fernverkehr“ war das Ergebnis. Die Studie befasst sich mit den Umweltwirkungen die aus heutiger Sicht für Verkehrsmittel relevant sind. Dabei werden nicht wie bisher einzelne Schadstoffparameter, sondern die ökologischen Wirkungen von Schadstoffen in verschiedenen Umweltwirkungskategorien, untersucht.
Welche Verkehrsträger wurden verglichen? Der Vergleich orientiert sich an den typischen Eckpunkten von Busreisen, d. h. verglichen werden bei den unterschiedlichen typischen Reiseentfernungen auch die entsprechenden Konkurrenten. In der Studie wird der Reisebus mit den Verkehrsträgern Bahn, Pkw mit Otto- und Dieselmotor und dem Flugzeug verglichen.
Die unterschiedlichen Umweltwirkungskategorien weisen in ihrer Relevanz für die Umwelt große Unterschiede auf: An erster Stelle steht der Primärenergieverbrauch als Faktor für den energetischen Ressourcenverbrauch. Diese Energie-Ressourcen sind auf der Erde nicht unendlich verfügbar und müssen deshalb zunehmend geschont werden. Um die sehr unterschiedlichen einzelnen Energieträger Dieselkraftstoff, Benzin bzw. Superbenzin, elektrischen Strom und Kerosin vergleichen zu können, wird eine einheitliche Bezugsbasis erforderlich – die Primärenergie. Denn die Energieträger der einzelnen Verkehrsmittel haben einerseits einen unterschiedlichen Energiegehalt je Liter oder Kilogramm, andererseits unterscheidet sich auch schon der energetische Aufwand für die Förderung, den Transport, die Herstellung (Kraftstoffe in der Raffinerie, Strom im Kraftwerk) und die Verteilung erheblich. Die Primärenergie wird in Liter Dieseläquivalente umgerechnet.
Treibhauseffekt
Direkt gekoppelt mit dem Energieverbrauch durch Verbrennung in den Motoren bzw. in den Kraftwerken (elektrischer Strom) ist der Treibhauseffekt. Vor allem durch das bei jeder Verbrennung entstehende Kohlendioxid (CO²) wird indirekt eine zunehmende Erwärmung der Erdatmosphäre verursacht, die das gesamte Weltklima verändern kann. Der Treibhauseffekt wird bei der Energiegewinnung hauptsächlich durch das emittierte Kohlendioxid – CO2 – bewirkt, aber auch andere Stoffe wie Methan und Distickstoffoxid spielen eine wesentliche Rolle. Die für die Verkehrsmittel relevanten Emissionen werden als CO2-Äquvalente – ausgedrückt als Gramm-CO2-Äquivalente – g-CO2 –Äquivalente - zusammengefasst und im Vergleich betrachtet.
Die untersuchten Reiseverkehrsmittel werden in der Regel ausschließlich mit fossilen Energieträgern betrieben, die in den Motoren bzw. zur Stromerzeugung (Bahn) verbrannt werden, so dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Primärenergieverbrauch und dem verursachten Treibhauseffekt besteht. Selbst der Energieverbrauch der Bahn erfolgt in Deutschland zu ca. 88% aus diesen Energieträgern. Der Treibhauseffekt kann nach heutiger wissenschaftlicher Einschätzung durch die unabsehbaren Änderungen am Weltklima auch zu Auswirkungen auf die Lebensbereiche aller Lebewesen und damit der Lebensgrundlagen der Menschen führen. Aufgrund der dramatischen Folgen einer Klimaerwärmung ist der Klimaschutz inzwischen weltweit das Umweltschutzthema Nummer 1 und hatte somit selbstverständlich auch oberste Priorität bei den Betrachtungen in dieser Studie. Für eine Näherung an die tatsächlichen Verhältnisse wurden die Umweltwirkungen auf die durchschnittlichen Auslastungsgrade je Verkehrsmittel bezogen.
Ergebnisse
Primärenergieverbrauch: Der Reisebus liegt klar vorne (Abb.2), umgerechnet in Dieseläquivalente verbraucht ein Reisebus je 100 P/km durchschnittlich nur 0,9 l Dieseläquivalente, während ein Flugzeug mit 6,6 l mehr als das 6-Fache benötigt. Auch die Bahn benötigt je nach Geschwindigkeitsbereich des Zuges mehr als 2-2,5 Mal soviel, also 1,9 l bzw. 2,6 l/Pkm, eine Pkw-Nutzung ist ähnlich umweltschädlich wie die Flugreise, Diesel-Pkw verbrauchen 5,9 l und ein Otto-Pkw 6,7 l. Treibhauseffekt: Der Primärenergieverbrauch hat direkte Auswirkungen auf den Treibhauseffekt: Auch hier ist der Reisebus in Deutschland mit großem Vorsprung vor allen Konkurrenten absolute Spitze und das umweltfreundlichste Reisemittel!


Beispielreisen
Was bedeutet das für die konkreten Reisen? Dies war die Fragestellung, die an hand mehrerer typischer Reisen von der längeren Urlaubsreise in den Süden über Städtereisen bis zu Klassenfahrten betrachtet und berechnet wurden.
Im Gegensatz zu der Durchschnittsbetrachtung werden hier fĂĽr bestimmte Strecken typische Auslastungen angenommen. Neben der eigentlichen Reise spielen auch die An- und Abfahrt des Reisenden zum Start- bzw. vom Zielort des Haupttransportprozesses eine Rolle (so genannter Vor- und Nachlauf). Dies kann z.B. die Bus- oder Taxifahrt des Reisenden zum oder vom Bahnhof oder Flughafen sein.
Ebenso wurden weitere Einflussgrößen wie die tatsächlich zurückgelegten Entfernungen und die länderspezifische Besonderheiten in der Energieerzeugung berücksichtigt. Als ein Beispiel wird hier die Reise Mannheim - Prag betrachtet. Die Rangfolge zwischen den Verkehrsmittel bleibt grundsätzlich erhalten und auch hier ist das Ergebnis: Der Reisebus ist – hinsichtlich der bedeutendsten Umweltwirkungen das umweltfreundlichste Reisemittel.
Weitere Umweltparameter
Es werden auch weitere relevante Umweltparameter wie Lärm, Flächenverbrauch, Infrastruktur- und Fahrzeugbereitstellung betrachtet und bewertet. Diese Parameter sind aber grundsätzlich nur schwer quantifizierbar und werden dem entsprechend in beschreibender Form bewertet. Aber auch hier ist der Reisebus Spitze und wird als sehr umweltverträglich eingestuft.
Ăśberlegungen zur kĂĽnftigen Entwicklung 2010
Bezüglich der weiteren Entwicklung in den nächsten Jahren werden in der Studie ebenfalls Überlegungen angestellt und verschiedene Grundlagen und Ausgangsannahmen diskutiert. So werden für schwere Nutzfahrzeuge und somit auch für Reisebusse in den nächsten Jahren mit Euro 4 und Euro 5 zwei weitere Grenzwertstufen für neu zugelassene Busse verpflichtend. Damit werden vor allem die Stickoxid- und Partikelemissionen stark reduziert. Darüber hinaus werden die Schadstoffemissionen, nochmals um weitere ca. 70 % bzw. ca. 60 % gesenkt. Auch der Energieverbrauch sinkt weiter: Fahrzeughersteller wie z.B. EvoBus heute davon aus, dass neue Reisebusse im Jahr 2010 wegen besserer Techniken und verstärkter Leichtbauweise ca. 5 % weniger Kraftstoff verbrauchen werden als heute aktuelle Euro 3-Fahrzeuge.
Fazit
Der Reisebus ist vergleichsweise ein sehr umweltverträgliches, wenn nicht das umweltverträglichste Reisemittel, dass sogar die Bahn bei entscheidenden Emissions-Parametern übertrifft. Auch in Zukunft wird diese hohe Umweltqualität des Reisebusses erhalten bleiben. Der Bus ist daneben auch Platz sparend und auch sonst Ressourcen schonend. Alle diese Umweltqualitäten werden nach wie vor weitgehend unterschätzt oder sogar ignoriert und sollten viel mehr beachtet werden.
